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Nam June PaikNam June Paik gilt als Vater der Videokunst.
Seine Videobänder und Installationen, Objekte, Bilder, Zeichnungen und
Druckgraphik beleuchten und hinterfragen kritisch und zugleich unterhaltsam
die Institution Fernsehen und das Thema Kommunikation.
Paik ist Nomade und Kosmopolit, der sich
seiner kulturellen und bürgerlichen Wurzeln immer bewußt geblieben
ist, aber schon früh das Problem der globalen Interdependenz erkannt hat.
Auch wenn er vorgibt, in technischen Dingen Laie zu sein – „I never
look at video“ – hat er ein untrügliches Gespür für
die Möglichkeiten der neuen elektronischen Medien und ihrer Bedeutung sowohl
für den Weltmarkt wie auch für die davon bestimmte Weltzivilisation
und Weltkultur bewiesen. Gegenüber dieser Medienwelt behauptet Paik sich
als individueller „Cultural Terrorist“, der sich nicht von den Medien
vereinnahmen läßt.
Actually I have no principles.
I go where the empty roads are.
Zur Biographie Nam June
Paiks:
Paik, der am 20. Juli 1932 in Seoul (Korea)
als 5. Kind eines Textilfabrikanten geboren wurde, erhielt im Alter von 14
Jahren ersten Klavier- und Kompositionsunterricht. Schon mit 15 Jahren entdeckte
er Arnold Schönberg für sich.
1950, während des Koreakriegs zog seine
Familie um nach Tokio, wo er 1953 – 56 Musikgeschichte, Kunstgeschichte
und Philosophie studierte. Das Studium schloß er mit einer Arbeit
über Schönberg ab. Sein Interesse für moderne Musik führte
ihn 1956 nach Deutschland; er studierte an der Universität München
Musikgeschichte bei Thrasybulos Georgiades, dann an der Freiburger Hochschule
für Musik Komposition bei Wolfgang Forstner. Während des Sommers
belegte er Kurse bei Karlheinz Stockhausen, Luigi Nono, David Tudor und John
Cage – diese Begegnung sollte einen Wendepunkt in Paiks
künstlerischem Schaffen markieren.
Fortner erkannte bald, daß die Interessen
Paiks außerhalb der traditionellen Musik (einschließlich der Zwölftonmusik)
lagen, und riet ihm daher, im elektronischen Studio des Westdeutschen Rundfunks
in Köln zu arbeiten. Dieses Studio hatte sich in den fünfziger Jahren
zu einem wichtigen Zentrum für neueste Musik entwickelt. Hier waren die
technischen Voraussetzungen vorhanden, mit Tongeneratoren synthetische Klänge
herzustellen, die, auf Tonband gespeichert, das Ausgangsmaterial für die
Komponisten bildeten. Paik allerdings arbeitete zu dieser Zeit schon nicht mehr
allein nach den Methoden der Seriellen Musik. Eine bereits in Freiburg entstandene
Komposition bestand aus einer Tonbandcollage, die auf einem koreanischen Gedicht
des 9. Jahrhunderts fußte und verschiedene Klangelemente wie Wassergeräusche,
das Stammeln eines Säuglings und Fragmente aus einem Stück von Tschaikowsky
miteinander vereinte.
Dieses Collageprinzip kann als Grundstruktur
für die folgenden Kompositionen, aber auch für die viel späteren
Videobänder betrachtet werden.
1961 nahm Paik an den Aufführungen von
Stockhausens „Originale“ teil; er verkörperte die
„Rolle“ ACTIONS. (Durch seine Performances seit 1959 war er als
Kulturterrorist verschrien.) Schon damals zeigte er die für ihn typische
Abfolge von sehr langsamen Bewegungen, die von blitzartigen Handlungen
unterbrochen werden – auch dieser Aspekt läßt sich bis in die
späten Videoarbeiten verfolgen.
Mit den Performances hatte Paik die Grenzen
der Musik endgültig überschritten; er wurde nun zu den
Fluxuskünstlern gerechnet und somit in das Umfeld der bildenden Kunst
gebracht. Großen Einfluß auf ihn hatte hier sicherlich John Cage,
vor allem seine Komposition „Imaginary Landscape No.4“ (1951), deren
gesamtes Instrumentarium aus 12 Radiogeräten besteht, die von je zwei
Spielern nach der Partitur bedient werden. Während Cage seine
präparierten Klaviere, die Radios, Tonbandgeräte und Plattenspieler
nur als Musikinstrumente einsetzte, sah Paik sie auch als Objekte mit visuellen
Qualitäten. Das war der entscheidende Schritt, der zur späteren
Videokunst führte.
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