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Nam, June Paik

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Die Objekte für Charlotte Moorman


Paik hatte die Cellospielerin Charlotte Moorman 1964 kennengelernt; sie war schließlich die einzige die den Mut hatte, seine gewagten Kompositionen aufzuführen und die gleichzeitig die Qualifikation und Seriosität als Musikerin hatte, um das Publikum zu überzeugen. Ohne sie hätte Paik seine Performances wahrscheinlich nicht fortgesetzt. Die multimedialen Performances, in denen Paik meist Klavier und Moorman Cello spielte, liefen parallel zu der Arbeit mit Video.

TV Bra for Living Sculpture (1969)
Erst 1969 entstand das erste Videoobjekt für einen gemeinsamen Auftritt der beiden. Die Person Moormans ist wie auch in den anderen Videoarbeiten für sie ein fester Bestandteil derselben als lebende Skulptur.
Vom Aufbau her ist „TV Bra“ sehr einfach: Zwei winzige Bildröhren befinden sich in Plexiglasgehäusen, die mit transparenten Kunststoffbändern am Oberkörper befestigt werden. Bei der Aufführung gibt es vier verschiedene Möglichkeiten. Bei allen spielt Moorman am Cello, während sie am sonst freien Oberkörper den „TV Bra“ trägt. Die kleinen Bildschirme auf ihren Brüsten zeigen entweder das jeweilige Fernsehprogramm (am 20. Juli 1969 z.B. war die erste Mondlandung live zu sehen), ein Videoband, die Zuseher oder die in optische Signale umgewandelten Töne des Cellos.

Weitere Objekte für Charlotte Moorman waren das berühmte „TV Cello“ (1971), das aus drei Monitoren und vier Saiten besteht, „TV Glasses“ (1971) und ein „TV Bed“ (1972).
Der Büstenhalter und die Sonnenbrille wurden in anderen Variationen auch mittels des Chroma Key-(=Blue Box-)Verfahrens realisiert.
Ein ähnliches Objekt, das natürlich nicht für Charlotte Moorman bestimmt war, ist der „TV Penis“(1972), der aber auch am Körper getragen werden muß. Es besteht aus einem Miniaturmonitor, der auf dem Geschlechtsteil des Trägers befestigt wird und somit einerseits als Feigenblatt fungiert, aber gleichzeitig die Aufmerksamkeit des Betrachters auf das Geschlecht lenkt.


Zu den Videobändern Paiks


Zu Beginn der Arbeit mit Fernsehern war eine Fernsehkamera wegen der hohen Kosten unerreichbar. Paik mußte sich daher auf das Gerät selbst konzentrieren und die Bildinformationen selbst verändern. Erst 1965 kamen die ersten tragbaren Videorekorder in den Handel. Diese arbeiteten mit Halbzollbändern in offenen Spulen. (Die heute gebräuchliche Videokassette im halbprofessionellen Dreiviertelzollformat war erst ab 1972 zu erwerben.)
Paik war einer der ersten Besitzer eines dieser Rekorder, was ihm durch ein Stipendium ermöglicht wurde. Anläßlich der ersten Vorführungen (eine Aufzeichnung des Papstbesuchs in New York) verteilte Paik sein Manifest „Electronic Video Recorder“ auf Flugblättern, die die euphorische Aufbruchsstimmung dieser Zeit widerspiegeln. Er beschwört darin die Zukunft von Video: As collage technic replaced oil-paint, the cathode ray will replace the canvas... Someday artisist will work with capacitors, resistors & semi-conductors as they work today with brushes, violins & junk.
Paik sah durch die Möglichkeit, eigene Videobänder zu produzieren, für die Künstler ein neues Zeitalter angebrochen. Zum ersten Mal konnte mit der gleichen Technologie wie die Fernsehsender gearbeitet werden und es schien denkbar, daß so die Einwegstruktur dieses Massenmediums aufzubrechen war.

Die frühen Videobänder Paiks zeigen elektronische Verfremdungen, die teilweise durch Magneten hervorgerufen wurden. In der Regel wurde das Fernsehen als Ausgangsmaterial verwendet, z.B. „McLuhan caged“ (1967), eine verzerrte Aufnahme eines Interviews mit Marshall McLuhan, der zu dieser Zeit wegen seiner Theorien über die gesellschaftlichen Auswirkungen der modernen Massenmedien sehr im Gespräch war.

Daß sich Paik schon zuvor mit Film beschäftigt hatte, beweist sein „Zen for Film“ (1964), das lediglich aus einem Streifen Klarfilm besteht.

Einen großen Einfluß auf Paiks Videobänder hatte sicherlich Jud Yalkut, einem Mitglied der Künstlergruppe USCO, zu deren Multimediakonzept der „Overkill“, das Prinzip, von allem zu viel zu bringen, gehörte.

  
Bürgerliches Gesetzbuch BGB
von Helmut Köhler
Siehe auch:
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