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| ISBN: 3832177809 ISBN: 3832177809 ISBN: 3832177809 ISBN: 3832177809 | ||||||||||||||||||||||||||||||||||
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Exposition of Music – Electronic Television1962/63 entschloß Paik, etwas
völlig Neues zu wagen. In einem Hinterzimmer seines Ateliers
experimentierte er heimlich mit einem Fernsehtechniker. Da er sich keine Kamera
leisten konnte, konzentrierte er sich auf die Funktionen des einzelnen
Gerätes.
Im März 1963 fand die erste
Einzelausstellung Nam June Paiks in der Wuppertaler Galerie Parnass statt
– zugleich die erste Ausstellung in Deutschland, die veränderte
Fernsehgeräte als Kunstobjekte zeigte. Der Titel „Exposition of Music
– Electronic Television“ weist auf die beiden Themen Musik und
Fernsehen hin. Zum ersteren gehörten vier präparierte Klaviere, zwei
doppelte Schallplattenschaschliks, drei Tonbandarrangements „Random
Access“ und zahlreiche Objets Sonores („Zen for Wind“). Bei
den meisten Objekten war Besucherbeteiligung Teil des Konzepts, das Drücken
der Klaviertasten schaltete etwa Heizlüfter, Radios, Filmprojektoren und
andere Geräte ein. Die Veränderungen an den Objekten sollten
ganzheitliche Erfahrungen ermöglichen, die alle Sinne ansprachen und
darüber hinaus ganz unvorhersehbare Dinge geschehen
ließen.
„Electronic Television“ nahm eine
gesonderte Stellung innerhalb des Gesamtkonzepts ein, was schon allein dadurch
sichtbar gemacht wurde, daß sich 11 der 12 Schwarzweißfernseher in
einem eigenen Raum befanden. Eines der Geräte war nach dem Transport
plötzlich defekt. Es zeigte nur mehr eine horizontale Linie, was Paik dazu
inspirierte, es um 90 Grad zu drehen („Zen for TV“). Auf vier der
Apparate erschienen die Bilder durch innere Eingriffe in negativer Umkehrung,
rollten sich um die Mittelachse zusammen und wurden von Sinusschwingungen
gestört. Bei „Point of Light“ war ein Radio angeschlossen, das
je nach Lautstärke einen hellen Punkt in der Mitte des Fernsehers immer
größer bzw. kleiner werden ließ. An „Kuba TV“ war
ein Tonbandgerät gekoppelt, das das Bild je nach Amplitude
größer oder kleiner werden ließ. Zwei Geräte mit
gestreiften Bildschirmen wurden auch von Radiogeräten beeinflußt.
Weitere Fernseher hatten ein Mikrophon bzw. einen Fußschalter
angeschlossen, deren Impulse, jeweils über einen Tonverstärker
geleitet, ein Punktefeuerwerk auf dem Bildschirm
erzeugten.
Die Störungen der Geräte unterschieden
sich von den „normalen“ Bildstörungen dadurch, daß eine
bestimmte Struktur der Bildstörung bereits durch die Art des technischen
Eingriffs vorgegeben war. Der Inhalt spielte nur eine sekundäre Rolle.
Vielmehr untersuchte Paik die technischen Möglichkeiten des Mediums Fernsehen
mit dem Ziel, die Einwegstruktur aufzubrechen und Eingriffsmöglichkeiten
zu schaffen.
Die VideoinstallationenEdith Decker hat eine Gliederung der Videowerke
Paiks in ihrer Dissertation vorgenommen: Sie unterteilt sie demnach in Closed-Circuit-Installationen
und Multi-Monitor-Installationen.
Unter den Multi-Monitor-Installationen nehmen
zwei eine Sonderstellung ein, da sie rein durch Manipulation der
Fernsehgeräte entstehen und somit an die früheren Werke Paiks
anschließen.
TV Clock (1963)
Hier nimmt die abstrakte Linie von „Zen
for TV“ eine gegenständliche Bedeutung an. Sie suggeriert die Zeiger
einer Uhr, wenn sie sich in einer Achse befinden. (Technisch gesehen entsteht
die Linie durch das Demontieren der vertikalen Ablenkvorrichtung außen am
Röhrenhals: Der Elektronenstrahl bewegt sich nur mehr in der Horizontalen,
das Bild bleibt auf eine Linie beschränkt. Die Neigung der Linie erreicht
man durch ein entsprechendes Ausrichten des
Zeilenschreibers.)
Die Installation umfaßt 12
Schwarzweiß- und 12 Farbfernseher, die jeweils die Stunden einer Nacht und
eines Tages repräsentieren.
Moon is the oldest TV (1965)Diese Installation besteht aus einer Folge von
Schwarzweißmonitoren, deren Bildschirme Folgen zeigen, die an
unterschiedliche Phasen des Mondzyklus erinnern. (Die Kreis- und
Kreissegmentformen entstehen, wenn der Zeilenschreiber der Bildröhre nach
hinten versetzt wird und durch den größeren Abstand zum Bildschirm
diesen nicht mehr ausfüllen kann. Die so entstandene Fläche wird durch
einen Magneten am Röhrenhals jeweils so geformt, daß sie die Gestalt
verschiedener Mondphasen annimmt.) Das bläulich-weiße Licht der
Bildröhre verstärkt den mimetischen Charakter des Bildes, so daß
man glaubt, eine Videoaufzeichnung des Mondes zu sehen. Das angestrebte
Zeitkonzept wird mit 12 Monitoren erfüllt, wobei die Progression von der
völligen Dunkelheit (Neumond) bis zum vollen Kreis (Neumond) auf den
monatlichen Zyklus, die Zahl zwölf auf die Monate des Jahres anspielt. Der
Titel ist eine poetische Anspielung auf die Anfänge der
Menschheitsgeschichte, als Mond und Sterne die einzigen Lichtquellen waren. Das
moderne Großstadtleben hat diese Erinnerung fast ausgelöscht –
das kalte Ferseherlicht ist an die Stelle des Mondes
getreten.
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